Leseprobe aus der CD-ROM "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:

Eine der erfolgreichsten volkstümlichen deutschen Schauspielerinnen war Grethe Weiser (1903–1970), geborene Mathilde Ella Dorothea Margarethe Nowka. Man sah sie in insgesamt mehr als 100 Filmen. Zwar erhielt sie selten große Rollen, aber sie verblüffte immer wieder durch ihre Schlagfertigkeit und erfreute die Kinogänger mit ihrem warmherzigen Humor.

Mathilde Ella Dorothea Margarethe Nowka kam am 27. Februar 1903 als Tochter des Hochbau-Unternehmers Gottlieb Ernst Ludwig Nowka und seiner Frau Ella, geborene Schirnke, in Hannover zur Welt. Ihre Kindheit verbrachte sie in Klotzsche und in der nahen Großstadt Dresden. Sie besuchte die „Neustädter Höhere Töchterschule“ und die „Friedel-sche Privatschule“ in Dresden-Blasewitz.

Am 28. Juli 1921 heiratete Margarethe Nowka den Wiener Kaufmann Josef Weiser (1900–1968), dem sie 1922 den Sohn Rolf Günther gebar. Die Familie zog nach Berlin, wo Josef Weiser das Kabarett „Charlott“ am Kurfürstendamm pachtete, in dem seine Frau die ersten Auftritte hatte. Danach nahm Grethe Weiser Gesangsunterricht und wurde Elevin im „Theater an der Volksbühne“, wo sie im Oktober 1926 bei einer Aufführung des Stückes „Lysystrata“ ihr Debüt feierte.

In der Folgezeit trat Grethe Weiser in Operetten, in Berliner Kabaretts („Bendows Bunte Bühne“, „Kabarett der Komiker“) sowie als Schauspielerin und Sängerin an der „Komischen Oper“ auf. Außerdem gastierte sie am „Thalia-Theater“ in Hamburg, am „Komödienhaus Dresden“ und übernahm komische Rollen im „Theater am Kurfürstendamm“.

Auf der Leinwand debütierte Grethe Weiser in dem Film „Escapade“ (1933). Ab 1934 lebte sie mit dem Filmjuristen und -produzenten Dr. Hermann Schwerin (1902–1970) zusammen.

Anfangs spielte Grethe Weiser im Film meistens Nebenrollen als Köchin, Hausmädchen oder Zofe wie in „Männer vor der Ehe“ (1927), „Kasernenzauber“ (1930), „Kind, ich freu mich auf Dein Kommen“ (1933), „Mädchen für alles“ (1937) oder Kammerdienerinnen wie in „Martha“ (1935/1936). Erst in „Die göttliche Jette“ (1937) erhielt sie ihre erste Hauptrolle: Sie stellte – nach dem Vorbild der Sängerin Heinriette Sontag (1806–1854) – den Aufstieg der Berliner Vorstadtkomödiantin Jette Schönborn zum weltstädtischen Revue-Star dar.

Danach glänzte Grethe Weiser unter anderem in den Filmen „Familie Buchholz“ (1944), „Neigungsehe“ (1944), „Die Frau meiner Träume“ (1944), „Liebe 47“ (1949), „Der Vetter aus Dingsda“ (1953), „Die tolle Lola“ (1953), „Meine Kinder und ich“ (1953), „Die Beine von Dolores“ (1958) und „Ferien vom Ich“ (1963).

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges lebte Grethe Weiser in Wernigerode und tingelte durch das Land. 1947 trat sie in Hamburg an der „Jungen Bühne“ auf und ab 1949 an den „Hamburger Kammerspielen“, wo sie am 15. Mai 1949 erstmals in ihrer Paraderolle als Mary Miller in „Das Kuckucksei“ brillierte. Auch im Nachkriegsfilm präsentierte sie sich als legendäres „Herz mit Schnauze“ und mimte resolute Witwen und ältere Tanten voller Angriffslust und Mutterwitz.

Aus Anlass ihres 25-jährigen Bühnenjubiläums spielte Grethe Weiser im November 1953 an den Hamburger Kammerspielen die Mutter Wolfen in Gerhart Hauptmanns „Biberpelz“. Im Frühjahr 1954 siedelte sie nach Berlin über. 1958 haben Grethe Weiser und ihr langjähriger Lebensgefährte Dr. Hermann Schwerin geheiratet. Während der 1960-er Jahre trat Grethe vor allem an Theatern in Berlin und München auf. 1968 verlieh man ihr das „Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“.

In den letzten Jahren ihres Lebens sah man Grethe Weiser häufiger im Fernsehen. Dort hatte sie in den Sendungen „Künstleragentur“, „Die Lokomotive“ (Mai 1969 im „Zweiten Deutschen Fernsehen“, ZDF) und in „Kuckucksei“, das sechs Tage vor ihrem Tod ausgestrahlt wurde, Paraderollen. Zu ihren Hobbys gehörten Antiquitäten, Hunde, Bücher, Blumen und Patience legen.

Grethe Weiser kam am 2. Oktober 1970 im Alter von 67 Jahren durch einen Autounfall bei Bad Tölz (Bayern) ums Leben. Der von ihrem Mann gesteuerte und mit insgesamt vier Personen besetzte Personenwagen stieß frontal mit einem Lastwagen zusammen. Während der Fahrer des Pkw und zwei andere darin sitzende Frauen sofort den Tod fanden, wurde Grethe Weiser lebensgefährlich verletzt. Trotz einer noch im Sanitätsauto vorgenommenen Bluttransfusion konnten die Ärzte im Bad Tölzer Versorgungskrankenhaus nur noch den Tod der Schauspielerin feststellen.

Elf Tage später hätte Grethe Weiser zusammen mit anderen älteren Künstlern am 13. Oktober 1970 von Bundespräsident Gustav Heinemann (1889–1976) in der Bonner „Villa Hammerschmidt“ empfangen werden sollen. Im November 1970 sollte sie im Kölner „Theater am Dom“ mit den Proben für das Stück „Waren Sie schon mal ein Pinguin?“ beginnen. Stattdessen wurde der Liebling von Millionen unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Friedhof Heerstraße in Berlin beigesetzt.

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