Leseprobe aus der CD-ROM "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" (2002) von Ernst Probst:

Fast schon ein Denkmal“ im deutschen Frauenfußball ist Silvia Neid. Die 1,66 Meter große Mittelfeldspielerin war ab Oktober 1982 bis 1996 in 111 Länderspielen der Damenfußball-Nationalmannschaft dabei und schoss für sie insgesamt 47 Tore. Gero Bisanz, der Trainer des Deutschen Fußballbundes, lobte die Rekordnationalspielerin mit den Worten: „Wenn sie gut aufgelegt ist, kann sie unser Spiel allein bestimmen“.

Silvia Neid wurde am 2. Mai 1964 in Walldürn (Baden-Württemberg) geboren. Sie besuchte die Realschule und ergriff danach den Beruf der Fleischereifachverkäuferin. Später arbeitete sie als Großhandelskauffrau im Blumenhandel ihres früheren Vereinstrainers Gerd Neuser in Siegen (Nordrhein-Westfalen).

Silvia Neids Interesse am Fußball wurde durch ihren Vater Franz Neid, einen Amateur-Oberligaspieler, geweckt. Bereits als Fünfjährige rannte sie auf Bolzplätzen dem Ball hinterher. Als Elfjährige spielte sie bei den Fußballfrauen des „Sportvereins (SV) Schlierstadt“ (Baden-Württemberg), der 1981 einen eigenen Verein, den „Sportclub (SC) Klinge Seckach“, gründete.

1983 ging Sivlia Neid zum deutschen Rekordmeister „SSG 09 Bergisch Gladbach“. Mit diesem Verein erreichte sie 1984 sowohl die „Deutsche Meisterschaft“ als auch den Pokal. 1985 wechselte sie zum „Turn- und Sportverein (TSV) Siegen“, dessen Trainer Gerd Neuser ihr eine günstige Wohnung und einen Arbeitsplatz angeboten hatte.

Im Trikot des „TSV Siegen“ erreichte Silvia Neid sechs Mal die „Deutsche Meisterschaft“ (1987, 1990, 1991, 1992, 1994, 1996) und fünf Mal den Gewinn des „DFB-Pokals" (1986, 1987, 1988, 1989, 1993). Außerdem stand sie 1991, 1992, 1994 und 1995 im Endspiel des „DFB-Pokals“, bei diesen vier Treffen verlor ihr Team jeweils.

1994 wollte Silvia Neid den „TSV Siegen“ verlassen und zum Bundesligisten SG Praunheim gehen, als Trainer Gerd Neuser abgelöst wurde. Doch ihr Klub war damit nicht einverstanden und drohte sogar mit dem Arbeitsgericht. Aus diesem Grund mussten Silvia und andere zum Wechsel bereite Spielerinnen in Siegen bleiben.

Im Oktober 1982 setzte der DFB die damals 18-jährige Silvia Neid erstmals bei einem Fußball-Länderspiel ein. Dabei steuerte sie als Einwechselspielerin gegen die Schweiz gleich zwei Tore zum 5:1-Sieg der deutschen Damenelf bei. Von da ab gehörte sie zu den Stammspielerinnen. Im April 1988 wurde sie als Nachfolgerin von Rieke Koekoek zur Spielführerin.

1989 feierte Silvia Neid nach dem 4:1-Sieg gegen Titelverteidiger Norwegen in Osnabrück (Niedersachsen) den Gewinn der Europameisterschaft. Dieser Triumph machte Schlagzeilen und löste einen wahren Boom im deutschen Frauenfußball aus. 1991 gingen die deutschen Kickerinnen nach einem 3:1-Sieg erneut als Europameister vom Platz. Bei der Weltmeisterschaft in China verletzte sich Silvia Neid bereits im ersten Spiel gegen Nigeria, was vermutlich dazu beitrug, dass die deutsche Elf nur Vierter wurde.

Wegen ihrer Verletzung pausierte Silvia Neid neun Monate lang und wurde von manchen Experten schon abgeschrieben. Doch im September 1992 glänzte sie beim 7:0-Sieg gegen Frankreich und schoss drei Tore. Im Herbst 1994 erhielt sie ein verlockendes Angebot aus Japan, das sie nicht annahm, weil der Nationaltrainer Gero Bisanz drohte, Japan-Legionärinnen nicht einzusetzen. 1995 erkämpfte sie mit der deutschen Damenfußball-Nationalelf die Europameisterschaft und die Vizeweltmeisterschaft sowie 1997 erneut die Europameisterschaft.

Seit 1996 arbeitet Silvia Neid als Trainerin des Deutschen Fußballbundes. Nach ihrer Ansicht ist der Frauenfußball noch nicht voll anerkannt. Sie sagte hierzu: „Jahrelang haben wir gegen Vorurteile zu kämpfen gehabt, wurden belächelt und nicht für voll genommen. Das Bild hat sich zwar insgesamt positiv entwickelt, doch wird es noch seine Zeit dauern, bis Frauen die Stadien füllen“.

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