Leseprobe aus der CD-ROM "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:
Als erste Staatspräsidentin der Republik Irland fungierte von 1990 bis 1997 die Politikerin Mary Robinson. Bei Umfragen im Herbst 1996 erreichte sie eine Beliebheitsquote von 90 Prozent. Damals bezeichnete man sie als „Glücksfall für die Republik“. Im Spätsommer 1997 trat die renommierte Juristin eine neue Aufgabe als Kommissarin der „United Nations“ (UN) für Menschenrechte an.
Die Tochter des Arztes Aubrey Bourke und der Ärztin Tessa O’Donnel kam am 21. Mai 1944 in Ballina (County Mayo, Republik Irland) zur Welt und wuchs mit vier Brüdern in einer katholischen Familie auf. Sie besuchte Privatschulen in Irland und Paris, studierte Jura und Romanistik am „Trinity College“ in Dublin und vervollständigte ihre Ausbildung an der Harward-Universität in Cambridge (Massachusetts, USA). 1968 bestand sie die juristische Masterprüfung.
1967 wurde Mary Rechtsanwältin und 1969 als 25-Jährige die jüngste Jura-Professorin am „Trinity College“ der irischen Hauptstadt Dublin. Bald danach nominierte das College sie für einen Sitz im Senat der Irischen Republik, den sie von 1969 bis 1989 inne hatte. 1970 heiratete sie den protestantischen Anwalt Nicholas Robinson. Aus dieser Ehe gingen die Kinder Tessa, William und Aubrey hervor.
1977 und 1981 versuchte Mary Robinson vergeblich, einen Abgeordnetensitz zu erringen. Als dies nicht gelang, konzentrierte sich die Mutter von drei Kindern auf ihre Anwaltspraxis. Danach entwickelte sie sich zu einer international anerkannten Verfassungsrechtlerin und Expertin in Fragen des Europarechts.
Mary Robinson setzte sich für eine Modernisierung und Liberalisierung des irischen Rechts sowie für die Besserstellung der Frauen in Irland ein. Sie kämpfte für die Zulassung von Frauen als Geschworene und versuchte 1971 erfolglos in einem Aufsehen erregenden Prozess, den Zugang zu Verhütungsmitteln zu ermöglichen. Außerdem stritt sie für das Verfassungsverbot der Ehescheidung und für die Förderung Alleinerziehender und wandte sich gegen die Diskriminierung von Homosexuellen. Durch ihr Engagement wurde die Präsidentin der „Women’s Political Association“ bald im ganzen Land bekannt.
1985 trat Mary Robinson aus der „Labour Party“ aus, weil diese das anglo-irische Abkommen von Hillsboro mittrug, das ein beschränktes Mitspracherecht Dublins in Nordirland-Fragen beinhaltete. Sie meinte, dass die protestantischen Unionisten Nordirlands bei der Vertragsschließung übergangen wurden. Trotz ihrer Distanz zur „Labour Party“ nominierte letztere im April 1990 Mary Robinson als Präsidentschaftskandidatin. Sie führte den Wahlkampf als unabhängige Kandidatin und wurde im November 1990 als erste Frau für sieben Jahre in das Amt des irischen Staatspräsidenten gewählt.
1991 erhielt Mary Robinson den Freiheitspreis der „Liberalen Internationale“ und den Preis der „Internationalen Liga für Menschenrechte“ für ihr Engagement in Somalia. In der Küche ihrer Privatwohnung im ersten Stock der Residenz brannte Tag und Nacht ein Licht, das den irischen Emigranten signalisierte, dass sie nicht vergessen waren. Mary Robinson trat am 12. September 1997 drei Monate vor Ablauf ihrer siebenjährigen Amtszeit als irische Staatspräsidentin zurück, um ihre neue Aufgabe als UN-Kommissarin für Menschenrechte zu übernehmen.
Nachfolgerin von Mary Robinson wurde die 46-jährige Jura-Professorin, Journalistin und parteilose Politikerin Mary McAleese, geborene Leneghan. Bei der Präsidentenwahl am 30. Oktober 1997 in Irland erhielt sie 59 Prozent der Stimmen. Damit lag die Kandidatin der Regierungspartei „Fianna Fáil“ deutlich vor der Oppositionellen Mary Banotti, die 41 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnte.
Mary McAleese ist das erste irische Staatsoberhaupt, das aus der britischen Provinz Nordirland stammt. Sie wurde am 27. Juni 1951 in Belfast als ältestes von neun Kindern einer katholischen Familie, geboren, wuchs unter Protestanten in Nordirland auf und erlebte schon als Kind, wie die Gewalt das Leben in ihrer Heimat bestimmte.
Der Vater von Mary arbeitete als Wirt in Belfast, wo man seinen Pub zwei Mal niederbrannte. Ein tauber Bruder Marys wurde vor der Haustür der Familie Leneghan zu Tode geprügelt, ein Nachbar in seinem Laden erschossen. Daraufhin zog die Familie Leneghan aufs Land.
Mary Leneghan ist 1975 nach dem Jurastudium als Rechtsanwältin zugelassen worden und in die Republik Irland gezogen, wo die 24-jährige Jura-Professorin am „Trinity College“ in Dublin wurde. Sie war die Nachfolgerin von Mary Robinson, die damals diesen Lehrstuhl abgegeben hatte. Von 1979 bis 1981 arbeitete sie als Fernsehmoderatorin, ab 1981 als Jura-Professorin und Teilzeitjournalistin und später sogar als Direktorin von „Channel 4 Televison".
1976 heiratete Mary Leneghan den Zahnarzt Martin MacAleese und zog 1987 zu ihren Eltern in den Süden Nordirlands. Aus ihrer Ehe gingen die drei Kinder Emma, SaraMai und Justin hervor. In Belfast wurde Mary McAleese Direktorin des juristischen Instituts und 1994 die erste katholische Pro-Vizekanzlerin der Queen’s University.
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