Leseprobe aus der CD-ROM "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:

Zu den bedeutendsten Designerinnen der Welt zählt die Amerikanerin Ray Eames (1912–1988), geborene Bernice Alexandra Kaiser. Sie und ihr Mann Charles entwarfen unter anderem formschöne Möbel, Häuser, Denkmäler und Spielzeuge. Rays außerordentlicher und unbeirrbarer Blick für Form und Farbe machte oft den Unterschied aus zwischen gut, sehr gut und „Eames“, urteilte ein Experte.

Bernice Alexandra Kaiser kam am 15. Dezember 1912 in Sacramento (Kalifornien) zur Welt. Bereits als Kind gab man ihr den Spitznamen Ray-Ray, von dem sie später ihren Vornamen ableitete. Nach dem Besuch der High School zog sie mit ihrer verwitweten Mutter nach New York. Dort studierte sie Malerei und stellte abstrakte Gemälde aus.

Nachdem auch die Mutter gestorben war, ging Bernice an die „Cranbrook Academy of Art“ (Michigan), wo sie Charles Eames (1907–1978) begegnete, der dort lehrte. Bald begann für beide eine ungewöhnlich produktive Beziehung, die nahezu 40 Jahre lang währte. Das Paar entwarf zahlreiche Produkte und nutzte neue Materialien und industrielle Fertigungsprozesse. Auf diese Weise entstanden praktische, preiswerte und qualitätvolle alltägliche Objekte.

1941 heirateten Bernice Alexandra Kaiser und Charles Eames. Für den Bräutigam war es die zweite Ehe. Danach zogen beide nach Südkalifornien, wo sie zusammen mit dem Herausgeber der Zeitschrift „Arts and Architecture“, John Entenza (1905–1984), das Designbüro „Plyformed Wood Company“ eröffneten, das geformte Sperrholzmöbel und -objekte entwarf und produzierte. Den Durchbruch schaffte das Trio mit einem neuen Verfahren zur Herstellung von Beinschienen für Kriegsverletzte sowie mit Sesseln und Stühlen aus Schichtholz, die sich zu Kultobjekten des Möbeldesigns entwickelten.

Im Jahre 1945 initiierte John Entenza, ein guter Freund, Berater, Förderer, Wohltäter und gelegentlicher Mitarbeiter von Charles Eames, das so genannte Versuchshausprogramm. Dabei wurden acht Architekten – darunter Richard Neutra (1892–1970), Charles Eames und Eero Saarinen (1910–1961) – aufgefordert, acht Häuser zu entwerfen, von denen jedes ein Wohnproblem in Kalifornien lösen sollte. Außerdem sollten die im Krieg entwickelten Produkte wie Plastik, Bindemittel, Flugzeugkleber, synthetische Harze und neue Beschichtungen und Technologien der Vorfertigung für das Bauen in Friedenszeiten Anwendung finden. Für die Häuser suchte die Zeitschrift „Arts and Architecture“ Käufer.

Das Haus Nr. 8 des Versuchshausprogramms wurde 1949 von Ray Eames auf einem abgelegenen Grundstück in Pacific Palisades oberhalb des Santa Monica Canyon mit Aussicht auf die Bucht von Santa Monica und den Ozean errichtet. Es besteht aus zwei zweistöckigen Stahl-Glas-Kästen, die parallel zum Berghang stehen und durch einen Hof voneinander getrennt sind. Das Eames-Haus steht als Metapher für eine standardisierte, vorgefertigte Konstruktion, die in den Wohnhausbau übersetzt wurde.

1950 waren die ersten 13 Häuser des Versuchshausprogramms fertig und sieben weitere befanden sich in Arbeit. Danach setzte man das Programm mit jährlich einem Haus fort.

Die Design-Ideen für die von Ray und Charles Eames entworfenen Möbel wurden durch den Fabrikanten Hermann Miller realisiert. Bald genossen die kleine und energische Ray und der sie um Haupteslänge überragende Charles Eames international einen guten Ruf. Während der 1960-er Jahre gab das Paar mehr als 50 Mitarbeiterinnen Arbeit und Brot.

Anfangs hatte Ray Eames noch gemalt sowie Texilien und Titelblätter für die Zeitschrift „Arts and Architecture“ entworfen. Nach 1947 gab sie diese Tätigkeiten auf und arbeitete mit ihrem Mann im Team. Charles repräsentierte zwar die Firma nach außen hin, doch Ray war ihm als Designerin ebenbürtig.

Das Designerduo Ray und Charles Eames produzierte auch mehr als 80 Experimentalfilme, Multimedia-Vorstellungen und Ausstellungen. Bei fast allen Filmen fungierte Ray als Co-Regisseurin. Diese Filme, Vor- und Ausstellungen haben die Sehgewohnheiten verändert.

Legendär ist der Film „Powers of Ten“ von Ray und Charles Eames. Ausgehend von einer Picknick-Szene am Ufer des Michigan-Sees führt der Streifen jeweils in Schritten um ein Vielfaches von Zehn durch alle Dimensionen unseres Wissens. Zuerst bis zu 10 hoch 25 Metern entfernten Galaxien und danach zum 10 hoch -16 Meter kleinen Universum des Atomkerns.

In den 1970-er Jahren trat Ray Eames immer stärker an die Öffentlichkeit. Wenn man sie nach einem bestimmten Möbelstück fragte, antwortete Ray oft bescheiden, sie habe millionenfach zum Design beigetragen, indem sie die Form des Ganzen kritisch betrachtete, aber das hätten doch alle im Büro getan.

Ray Eames besaß ein ungewöhnliches visuelles Gedächtnis. Es war letztlich ihre Genauigkeit bis in die kleinsten Details, die in zahlreichen Fällen zu dem befriedigenden Ergebnis in Farb-, Stoff- oder Formwahl führte. Außerdem verstand sie es gut, liebevoll gesammelte Objekte in einem Raum oder in einer Ausstellung so zu präsentieren, dass sie einen besonderen visuellen Effekt hatten.

Als Rays Ehemann am 21. August 1978 plötzlich und unerwartet starb, wurde das Designerbüro aufgelöst. Seine Witwe betätigte sich als Hauptarchivarin des Nachlasses. Nach einem Jahrzehnt hatte sie noch immer nicht alles geordnet. Zehn Jahre nach dem Tod ihres Gatten starb Ray Eames 1988 am selben Tag wie ihr Gatte – nämlich am 21. August – in Los Angeles.

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