Leseprobe aus der CD-ROM "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:

Einen Ehrenplatz in der Geschichte der katholischen Kirche eroberte sich die heilige Juliana von Lüttich (um 1192–1258) als Initiatorin des Fronleichnamstages. Noch zu ihren Lebzeiten wurde 1246 das Fronleichnamsfest erstmals in Lüttich begangen. Sechs Jahre nach Julianas Tod ist Fronleichnam 1264 in das Kirchenjahr eingeführt worden. Den Gedenktag der Heiligen begeht man am 5. April.

Juliana wurde um 1192 in Rétinne bei Lüttich (Belgien) geboren. Ihren Vornamen dürfte sie nach der frühchristlichen Märtyrerin Juliana aus Nikomedien erhalten haben. Bereits im Alter von fünf Jahren verlor sie die Mutter und den Vater. Danach gab man sie in die Obhut des Klosters der Augustinerchorfrauen am Mont Cornillon (Kornelienberg), wo eine Schwester auf dem Wirtschaftshof sie betreute.

Das Mädchen erhielt keinen regelmäßigen Unterricht, zeigte sich jedoch sehr interessiert und suchte oft die Klosterbibliothek auf, um dort alte Pergamentbände zu studieren. Mit großem Fleiß lernte Juliana das Lesen und Schreiben und sogar die lateinische Sprache. Ihre Lieblingslektüre waren die Schriften des heiligen Augustinus und des heiligen Bernhard.

Die Schwestern im Kloster am Mont Cornillon nahmen die lernbegierige Juliana bald als Nonne in ihre Gemeinschaft auf. Sie war vom heiligen Sakrament der Eucharistie (heilige Kommunion) fasziniert und kniete oft stundenlang vor dem Tabernakel, in dem das Allerheiligste aufbewahrt wurde, wobei die ganze Welt um sie versank.

Jeden Tag nahm Juliana aus Ehrfurcht vor dem Sakrament der Eucharistie mit Erlaubnis ihrer Oberin bis zum Abendbrot keine Nahrung zu sich. Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte sie nur von der heiligen Hostie gelebt, doch dies wurde ihr verboten. Dank ihrer mystischen Verbundenheit mit Christus spürte sie sofort, ob in einer Kirche das Allerheiligste vorhanden war oder nicht.

Im Alter von 16 Jahren hatte Juliana vor dem Tabernakel eine Vision, bei der sie mehrfach hintereinander einen leuchtenden Mond sah, der am Rand eine dunkle Stelle aufwies. Laut der Überlieferung hat Christus ihr offenbart, der Mond stelle das Kirchenjahr dar und die dunkle Stelle symbolisiere, dass noch ein Dank- und Sühnefest fehle, nämlich ein besonderes Fest zu Ehren des heiligsten Altarsakraments. Sie sei dazu auserkoren, das Kirchenjahr um dieses Fest zu bereichern.

Jahrelang hütete Juliana das Geheimnis ihrer Vision. Erst als man sie 1230 zur Oberin des Klosters wählte, berichtete sie von ihrem göttlichen Auftrag. Dabei erntete sie sofort starken Widerspruch. Die kirchlichen Behörden reagierten abwartend, die Bevölkerung betrachtete sie als schwärmerische Betschwester. Das abschätzige Gerede über sie und böswillige Anschuldigungen machten ihr schwer zu schaffen.

Als Juliana wegen ihrer Strenge als Oberin von ihren Mitschwestern vertrieben wurde, verließ sie mit wenigen Getreuen das Kloster und führte fortan als Verbannte ein unstetes Wanderleben. Manchmal fand sie in anderen Klöstern Aufnahme, doch auch dort vertrieb man sie nach Nachstellungen ihrer Gegner.

Lediglich ihr Beichtvater und der Lütticher Erzdiakon Jakob von Troyes, der spätere Papst Urban IV. (um 1200–1264), hielten treu zu Juliana. Ab 1248 lebte sie als Reklusin in einer Klause an der Kirche in Fosses bei Namur. Als Reklusin gilt ein Mensch, der sich für eine bestimmte Zeit in eine Zelle einschließt oder einmauern lässt, um fortan nur noch Gott zu dienen.

Am 5. April 1258 starb Juliana von Lüttich in Fosses bei Namur. Man beerdigte sie in der ehemaligen Zisterzienserabtei Villers-en-Brabant zwischen Brüssel und Namur.

Sechs Jahre nach Julianas von Lüttich Tod wurde 1264 das Fronleichnamsfest von Papst Urban IV. als Bestandteil des Kirchenjahres festgelegt. Fronleichnam (Fron = Herren, Leichnam = lebender Leib) sollte das Abendmahlsgedächtnis des Gründonnerstags unter österlich-freudigem Vorzeichen wiederaufgreifen. Deshalb wurde es auf den ersten freien Donnerstag nach Abschluss der 50-tägigen Osterfeier, das heißt am Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitsfest, angesetzt.

Beim Fronleichnamsfest wird die „in Fleisch und Blut Jesu“ verwandelte Hostie in einer Monstranz feierlich unter Gesang und Gebet durch die Straßen getragen. An vier Stationen („Altären) hält man an, verliest das Evangelium, spricht Fürbitten und spendet den Segen.

An die Initiatorin des Fronleichnamsfestes erinnert der Name der Genossenschaft der „Apostolinnen des heiligsten Altarsakramentes“ in Belgien, die sich auch als „Damen von der heiligen Juliana“ bezeichnen. Auf Kunstwerken wird Juliana als Augustinerin oder Zisterzienserin abgebildet. Zahlreiche Darstellungen zeigen sie in Anbetung vor dem Altarsakrament und nehmen auf das Fronleichnamsfest Bezug.

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