Leseprobe aus dem Taschenbuch "Superfrauen 12 - Sport" von Ernst Probst:

Eine der Großen im weißen Sport war die schwarze amerikanische Tennisspielerin Althea Gibson. Als erste Farbige nahm sie an den nationalen Meisterschaften in Forest Hill teil und gewann sie das Tennisturnier von Wimbledon in Großbritannien. Wegen ihrer dunklen Hautfarbe musste sie in ihrer sportlichen Laufbahn mehrfach Nachteile in Kauf nehmen.

Althea Gibson wurde am 25. August 1927 als Tochter eines Automechanikers in Silver (South Carolina) geboren. Ihr Vater hatte sich einen Sohn gewünscht, aus dem er einen erstklassigen Boxer machen wollte. Er versuchte, dem Mädchen die Kunst des Faustkampfes beizubringen. Wenn sie nicht tat, was ihr Vater wollte, erhielt sie Schläge, und das war fast täglich der Fall.

Während ihrer Kinderzeit lebte Althea Gibson im New Yorker Vorort Harlem. In der Schule sah man sie nur selten, vor allem wenn Basketball auf dem Stundenplan stand. Statt zum Unterricht ging sie auf die Straße, stahl Händlern Früchte aus den Auslagen oder besuchte Onkel und Tante, die illegal Alkohol brannten. Häufig kam Althea betrunken heim oder schlief aus Angst vor dem prügelnden Vater in einer U-Bahnstation. Mit elf Jahren richtete sie sich in einem Obdachlosen-Asyl häuslich ein.

Ihren Lebensunterhalt verdiente die heranwachsende Althea als Botin, Aufzugfahrerin, Arbeiterin in einer Knopffabrik, Hühnerrupferin und Kassiererin. Einen ihrer Jobs verlor sie, weil sie ein Konzert der Jazzsängerin Sarah Lois Vaughan hören wollte. Dabei begegnete sie dem schwarzen Boxer, Sugar Ray Robinson (1921–1989), der ihr ein Saxophon schenkte.

Die Tenniskarriere von Althea Gibson begann, als Buddy Walker, dem Dirigenten des „Harlem Society Orchesters“, auffiel, wie gut sie auf der Straße mit einem Holzschläger und einem Gummiball Paddle Ball spielte. Er kaufte ihr einen richtigen Tennisschläger und zahlte ihre erste Tennisstunde. Danach holten zwei reiche Schwarze – Dr. Hubert Eaton und Dr. Robert W. Johnson – die in Wilmington (North Carolina) eine Tennisschule für Farbige betrieben, Althea zu sich.

Fortan lebte Althea Gibson in Wilmington und reiste zu zahlreichen Jugendturnieren für Farbige. 1945 und 1946 nahm sie an den Landesmeisterschaften im Einzel der farbigen Mädchen teil. Ein farbiger Arzt ermöglichte ihr danach den Besuch der Industriehochschule in Williston (North Carolina). 1947 wurde Althea die Zweite bei den Nationalmeisterschaften für farbige Mädchen. Ab 1948 war sie mehrfach als farbige Landesmeisterin der USA erfolgreich.

Von 1949 bis 1953 studierte Althea Gibson mit einem Stipendium an der Universität für Landwirtschaft und Mechanik in Florida und trainierte weiter in ihrer Freizeit. Trotz sportlicher Erfolge nahm man erst Notiz von ihr, als Alice Marble, die amerikanische Wimbledonsiegerin von 1939, in einem Magazin beklagte, die Dessous einer mittelmäßigen weißen Spielerin wie Gussie Moran seien offenbar interessanter als die Beschäftigung mit der talentierten schwarzen Althea Gibson.

1950 konnte die 23-jährige Althea Gibson als erste Farbige an den nationalen Meisterschaftskämpfen in Forest Hill teilnehmen und bis ins Finale vorstoßen, wo sie gegen die Wimbledonsiegerin Louise Brough verlor. 1951 lud man sie als erste Farbige zur Teilnahme an den renommierten Spielen in Wimbledon (Großbritannien) ein, aber sie setzte sich damals noch nicht durch.

Nach ihrem Abschlussexamen arbeitete Althea Gibson zwischen 1953 und 1955 als Sportlehrerin an der „Lincoln Universität“ in Jefferson City (Missouri). Bei einer Reise durch Asien im Rahmen einer „good will“-Aktion des State Departement (Außenministeriums) feierte sie in Asien, Europa und Amerika große Erfolge. 1956 gewann sie 20 Meisterschaften und das Doppel in Wimbledon.

1957 wurde für Althea Gibson ein besonders erfolgreiches Sportjahr: Sie siegte bei den internationalen Meisterschaften von Italien und Frankreich sowie im Einzel und Doppel auf dem „heiligen Rasen“ in Wimbledon. Nach dem Triumph im Einzel von Wimbledon gegen die Amerikanerin Darlene Hard, die ihrem furiosen Angriffsspiel nichts entgegenzusetzen hatte, überreichte ihr die britische Königin Elizabeth II. die begehrte Trophäe. Beim Wimbledon-Ball am Abend erwiderte Althea selbstbewusst die Begrüßungsansprache, sang professionell zwei Lieder und tanzte mit dem Herzog von Devonshire. Im September 1957 wurde sie in Forest Hill amerikanische Meisterin im Dameneinzel.

1958 gewann Althea Gibson erneut das Doppel und gegen die Britin Angela Morton das Einzel in Wimbledon sowie die amerikanische Meisterschaft. Danach wurde ihr ein gut dotierter Profivertrag angeboten, den sie zunächst ablehnte, weil sie lieber Sängerin werden wollte. Doch noch im selben Jahr entschied sie sich dann doch, Berufsspielerin zu werden. Als Profi zog sie bei Schaukämpfen keine Besuchermassen an. Auch ein Film, den sie zusammen mit dem Schauspieler Charlton Heston drehte, hatte keinen großen Erfolg.

Am 17. Oktober 1965 schloss Althea Gibson ihre erste Ehe mit William Darben. Bevor sie sich ganz vom weißen Sport zurückzog, unterrichtete sie eine Zeitlang farbige Tennisspielerinnen. Später schrieb sie einmal: „Es ist ein langer Weg zwischen einem Ball mit dem Herzog von Devonshire und der Bowling Bahn in Jefferson City, Missouri, wo man wegen seiner Hautfarbe vor die Tür gewiesen wird.“ Am 11. April 1983 folgte Althea Gibsons zweite Ehe mit Sydney Llewellyn.
*

Bestellungen der CD-ROM "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" bei:
http://www.amazon.de/gp/product/3935718829/028-7008173-6006919?v=glance&n=301928